Schulprogramm des Leoninum


Vorwort


Ein Schulprogramm stellt etwas Grundsätzliches dar, einen Plan, eine Ausrichtung, eine Vorschrift sogar, wenn man das Wort Programm wörtlich nimmt. Schule heißt für uns, wie es im Leitbild heißt, einen Lebensabschnitt gemeinsam zu gehen. Ein solcher Weg braucht einen stabilen Grund und gute Befestigung, damit er in Freiheit und Gemeinschaft beschritten werden kann. Und so dient er den jeweiligen Biographien unserer Schülerinnen und Schüler.

Dieser biographische Ansatz ist uns in unserem Schulprogramm wichtig. Die jeweilige Lebensgeschichte steht für uns im Mittelpunkt. Wenn wir von den Konturen und Strukturen unseres Schullebens sprechen, dann haben wir stets die vielen verschiedenen Lebensgeschichten vor Augen, um die es dabei geht. So haben wir den biographischen Ansatz auch für die Form unseres Schulprogramms gewählt: Wir erzählen eine Geschichte von Schülern unserer Schule, auch von den Eltern, die uns ihre Kinder anvertrauen, von den Lehrern, die hier arbeiten, kurz, von den Menschen, die unsere Schul- und Erziehungsgemeinschaft bilden.

Was hier erzählt wird, ist keine Vorschrift, die in Paragraphen aufgelistet würde, keine Uniform für alle. Und trotzdem wird in dem erzählten Schulleben auch das Programm deutlich – als Kontur, die Gestalt ermöglicht und Gestaltungsspielräume eröffnet.

Es ist dies (der Wechsel von Erleben und Reflexion) auch die Weise, in der unsere Schülerinnen und Schüler die Grundsätze unserer Schule kennen lernen. Die im Text hervorgehobenen Wörter öffnen Links zu Erläuterungen oder zu entsprechenden Informationen auf unserer Homepage.

Wir hoffen, dass unser Programm auf diese Weise selbst Bio-Graphie im doppelten Sinne ist: lebendige Beschreibung des Schullebens.

Die Entscheidung

...ist ihnen eigentlich nicht schwer gefallen.

Für Dagmar und Hans Hoffmann ist klar: Ihre jüngste Tochter wird in Handrup zur Schule gehen. Das Gespräch mit der Grundschullehrerin war freundlich verlaufen und die Lehrerin machte klar, dass sie Lisa den Besuch des Gymnasiums empfehlen kann.

Gestern sind sie dann nach Handrup gefahren – Tag der offenen Tür. Wieder sind sie beeindruckt von den vielen Präsentationen und wie freundlich und offen die Schule wirkt.

Dagmar Hoffmann findet es besonders schön, dass Schüler einer 6. Klasse die Begrüßung übernommen haben und eigens den „Leoninum-Rap“ für die neuen Mitschüler aufführen.


Der Schulleiter Franz-Josef Hanneken hat in seiner kurzen Ansprache besonders das Wir-Gefühl in den Mittelpunkt gestellt. Ja, denkt Frau Hoffmann, Handrup ist schon eine Gemeinschaft, in der es nicht nur um das Lernen des Stoffes geht.

Herr Hanneken sprach auch über das christliche Weltbild, das in Handrup im Mittelpunkt steht. Er zitierte den früheren Schulleiter, Pater Dr. Heiner Wilmer, der immer betont hatte, dass aller Pädagogik die Theologie vorangehen müsse. Für die Hoffmanns ist die christliche Erziehung ihrer Kinder eine Herzensangelegenheit.

Gerade dass die Schule – bei aller Toleranz – klare Werte vermittelt, auch deutliche Regeln aufstellt und die Erziehung auf einem eindeutigen Fundament beruht, ist für sie entscheidend. Wichtig ist für die Hoffmanns zum Beispiel, dass der Unterricht morgens mit einem Gebet beginnt.


Damals, vor drei Jahren, hatten Dagmar und Hans Hoffmann noch lange überlegt, ob das Leoninum in Handrup für ihren Sohn Peter wohl die richtige Schule sein könnte. Sind die Ansprüche, die dort gestellt werden, nicht vielleicht doch zu hoch? Können und wollen wir das Peter wirklich zumuten? Andererseits, Handrup hatte immer schon einen guten Ruf und einige Klassenkameraden von Peter wollten unbedingt dorthin.

Wichtig für die Hoffmanns ist auch die Trägerschaft der Schule: Das Leoninum ist eine freie Schule, die von dem Orden der Herz-Jesu-Priester getragen wird und das Kloster ist ein wesentlicher Bestandteil der Schule. Das führt auch dazu, dass die Schule manchen Regelungen, die aus Hannover so kommen, recht gelassen entgegensehen kann. „Eigenverantwortlich“ war Handrup schon immer und die Lehrer hat sich der Träger auch immer schon selbst ausgesucht. Rektor des Klosters ist Pater Olav Hamelijnck, der nicht nur für die Schüler und Eltern, sondern auch für die etwa 90 Lehrer immer ein offenes Ohr hat und sich immer bemüht, die vielen Projekte der Schule zu finanzieren.




Den Kern der Schule bildet die Schulpastoral: Patres und Religionslehrer, die nicht nur auf den regelmäßig stattfindenden Vollversammlungen Impulse geben, Gottesdienste und Meditationen vorbereiten, sondern – und das ist für Dagmar und Hans Hoffmann besonders wichtig – den Kindern auch in schwierigen Situationen behutsam und kompetent zur Seite stehen.


An das frühe Aufstehen hat sich die Familie mittlerweile gewöhnt. Gut, der Unterricht beginnt bereits um 7.25 Uhr, dafür endet die 6. Stunde auch bereits um 12.35 Uhr und sollten die Kinder am Nachmittag Unterricht haben, ist spätestens um 14.50 Uhr Schluss. Da kann Peter noch zum Fußballtraining und Lisa kann weiterhin zur Musikschule gehen und sich mit ihrer Freundin nachmittags noch um das Pferd eines Bekannten kümmern. Wenn Peter nachmittags Unterricht hat, hat er die Möglichkeit, vorher Mittag zu essen. Das Refektorium bietet, neben einem Kiosk, mittags eine warme Mahlzeit an.






Peter kann aus mehreren Gerichten wählen, die ihm auch fast immer gut schmecken. Ein bisschen gezweifelt hatten die Hoffmanns bei Peter, ob denn das Schulgeld nicht zu hoch sei und ob sie sich die Kosten für die Schulbücher und die Fahrten überhaupt würden leisten können. Schließlich gehören die beiden nicht gerade zu den Besserverdienenden. Aber schon damals konnte ihnen Paul Wöste, der stellvertretende Schulleiter, mit dem das Aufnahmegespräch für Peter stattfand, beruhigen. Niemand werde in Handrup aus finanziellen Gründen abgelehnt oder könne bestimmte Angebote wegen des Geldes nicht wahrnehmen. Die Kosten waren dann zum Glück auch gar nicht so hoch, wie sie vorher befürchtet hatten.


Aber zurück zum Tag der offenen Tür, den Lisa natürlich ganz anders erlebt hat als ihre Eltern. Ihre Aufregung wird erst geringer, als sie selbst in den Physik- und Chemieräumen eigene Experimente durchführen darf. Wie riesig diese Schule ist. Aber erst dieses Sportgelände: Welche Schule hat schon einen Fußballplatz, ein Hallenbad, ein Stadion mit Beachvolleyballfeld, Tennisfelder und zwei Sporthallen?

Auch der große Schulplatz lädt zum Spielen und Toben ein. Obwohl, es gibt auch noch einige Pläne für die Zukunft: Den angrenzenden schuleigenen Wald mit See kann man noch besser für den Sport- und Biologieunterricht umgestalten. Auch auf dem Schulplatz können noch einige Spielgeräte mehr nicht schaden.

Inzwischen ist Lisa Schülerin im 5. Schuljahr. Klar, die Umstellung von der Grundschule ist ihr schwergefallen. Mittags war sie am Anfang ziemlich k.o., an die vielen neuen Lehrerinnen und Lehrer musste sie sich erst mal gewöhnen, und auch die Klasse musste sich erst zu einer Gemeinschaft zusammenfinden. Nicht nur die Lehrer waren neu, auch dass in Handrup viele Fächer in Doppelstunden unterrichtet werden, war für Lisa gewöhnungsbedürftig. Schnell haben sie und ihre Eltern aber den Vorteil dieser Regelung erkannt: So braucht sie nicht so viele Bücher jeden Morgen mitzunehmen. Der Tornister ist schließlich auch schon schwer genug und die Hausaufgaben verteilen sich so auch besser über die Woche.


Wichtig ist, dass es an einem Wochenende den von der Schulpastoral und der Klassenlehrerin vorbereiteten Begegnungstag gibt, an dem auch die Eltern teilnehmen. Dagmar und Hans Hoffmann bekommen hier die Möglichkeit, alle Lehrerinnen und Lehrer, die Lisa unterrichten, näher kennenzulernen und erste Gespräche zu führen.

Für uns eine gute Ergänzung zu den zweimal im Jahr stattfindenden Elternsprechtagen und zum Sommerfest, denkt sich Herr Hoffmann.




Für Lisa neu sind auch die regelmäßig einmal im Monat stattfindenden Vollversammlungen. Dann kommen in der Aula alle Schüler und Lehrer zusammen. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden hört sie gespannt zu, wie Pater Levi dos Anjos Fereira, der aus Brasilien nach Handrup gekommen ist, zunächst über aktuelle Aktionen der Schulpastoral – in diesem Fall über die Woche „Kirche bewegt“- berichtet und anschließend der Schulleiter Franz-Josef Hanneken einige Informationen gibt, einzelne Schüler für besondere Leistungen ehrt und auch den Geburtstagskindern gratuliert. In Klasse 6 wird dann die erste einwöchige Klassenfahrt anstehen. Die ersten Vorbereitungen laufen. Gemeinsam mit der Lehrerin und den Eltern hat sich die Klasse überlegt, in den Harz zu fahren.

Was Lisa sich wünscht: dass sich noch einmal die ganze Schule gemeinsam auf den Weg macht, wie im Jahre 2000, als die Schulgemeinschaft nach Santiago gefahren ist, oder wie im Jahre 2005, als die gesamte Schule bei der Einführung von Papst Benedikt in Rom dabei war.

Vor kurzem hat Lisa auch ihre erste Nacht in Schule und Kloster verbracht. Ihre Deutschlehrerin hatte eine Lesenacht in der Bibliothek organisiert.

Etwas mulmig war ihr nur, als nachts dann auch noch ein Pater als Klostergeist auftrat und eine Spukgeschichte erzählte.

Der Legende nach spukt dieser Geist nicht nur im Klosterkeller, sondern lebt auch im schuleigenen See, der so genannten Ostsee. Vor kurzem hat Lisa auch an dem Wettbewerb für die 5. und 6. Klassen zum Lese-Oscar teilgenommen. Zwar haben sie mit ihrer Umsetzung eines Jugendbuches als Theaterstück den Preis nicht gewonnen, aber das Spielen auf der Bühne hat ihr viel Spaß gemacht.
Ganz begeistert ist Lisa von der „Radio-Podcast-AG“. In einer Arbeitsgemeinschaft hat sie für eine Radiosendung eigene Beiträge produziert, die auch auf der Homepage der Schule veröffentlicht werden.

Bei den AGs konnte sie aus Angeboten aus den Bereichen Musik, Sport und Tanz, Theater, Sprachen und Kunst auswählen. Die Arbeitsgemeinschaft Americanopolis unterstützt ein Kinderprojekt in einer brasilianischen Favela.

Peter geht mittlerweile in die 7. Klasse. Am Anfang des Schuljahres gab es für ihn einiges Neues. Nachdem er bereits seit einigen Jahren Englisch lernt, ist zu Beginn des 6. Jahrgangs für alle Schülerinnen und Schüler Latein dazugekommen. Zu Beginn des neuen Schuljahres musste er sich entscheiden: Möchte er eine dritte Fremdsprache lernen – Französisch oder Griechisch werden in Handrup angeboten – oder doch lieber dazu eine Alternative? Peter hat sich, zusammen mit seinen Eltern, für das neue Fach „Rhetorik“ entschieden, dort geht es u.a. um das freie Vortragen und darum, Texte szenisch umzusetzen, sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Was Peter gut gefällt, ist ein weiteres neues Fach: ITG, Informationstechnische Grundbildung. Hier lernt er nicht nur mit zehn Fingern die Tastatur zu bedienen, sondern er wird auch in Computerprogramme und den kritischen Umgang mit dem Internet eingeführt. Peter ist eher ein naturwissenschaftlich-mathematischer Typ. Besonders stolz ist er, dass er im vergangenen Jahr bei einem Chemiewettbewerb auf Landesebene einen Preis bekommen hat. Er hat sich in seiner Freizeit mit der Herstellung und Untersuchung von Klebstoffen beschäftigt und wurde dafür ausgezeichnet.


Allerdings verlief nicht alles für ihn in diesem Jahr nur rosig: Vor vier Wochen ist Peter beim Badmintontraining im Sportunterricht so unglücklich umgeknickt, dass die Bänder gerissen sind. Nach einer ersten Versorgung im Krankenzimmer von Schwester Nicole kam der Krankenwagen und Peter musste ins Krankenhaus. Insgesamt konnte er drei Wochen nicht zur Schule. Wie soll ich nur, gerade in meinem Problemfach Englisch, den ganzen Stoff aufholen, denkt sich Peter. Aber u.a. für solche Fälle gibt es in Handrup eine Lösung: einen gezielten Förderunterricht während der Regelunterrichtszeit, in dem die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, Versäumtes aufzuholen und auch kurzfristig Nachhilfe durch Handruper Lehrerinnen und Lehrer zu erhalten.

Die Schule ist mittlerweile dazu übergegangen, auch eine längerfristige Nachhilfe anzubieten. Dazu gibt es jetzt eine Schülerfirma. Oberstufenschüler, die von Lehrern unterstützt und angeleitet werden, unterrichten am Nachmittag in Einzel- oder Gruppenunterricht die Jüngeren.

Geplant ist darüber hinaus auch ein Silentium, in dem die Schüler nach dem Unterricht betreut ihre Hausaufgaben erledigen können; ein Angebot, auf das die Hoffmanns gespannt warten.


Im Oktober findet in der Schule wieder die Projektwoche statt. Für Peter bedeutet das, eine Woche lang Unterricht nicht nach Plan, sondern die Arbeit an Projekten. Peter hat sich in der Woche mit dem Thema Selbstbehauptung beschäftigt, hier geht es nicht nur darum, wie man Konflikte gewaltfrei löst, sondern auch darum, wie man gefährliche Situationen vermeiden kann. Für Peter interessant waren hier insbesondere die Rollenspiele zum Thema Selbstverteidigung. Am Ende der Projektwoche steht der Aktions- und Kulturtag: Die Klasse ist zum „Universum“ nach Bremen gefahren.

Als begeisterter Fußballer freut sich Peter darüber, dass Handrup auch etwas anbieten kann, was sicherlich über das normale Schulangebot hinausgeht: den regelmäßigen Besuch von Bundesligaspielen. Partner in Handrup sind hierbei Werder Bremen und Bayer Leverkusen, die regelmäßig kostenlose Eintrittskarten zur Verfügung stellen und auch Veranstaltungen in der Schule anbieten.
Im nächsten Jahr möchte Peter auch am Irlandaustausch teilnehmen. Eine Woche wird dann ein irischer Schüler aus Bellaghaderreenbei den Hoffmanns wohnen und eine Woche wird Peter nach Irland fahren. Das Leoninum hat insgesamt sechs Austauschschulen: Neben der Schule in Irland sind das Brigg in England, Tours in Frankreich, Sosnowiec in Polen, Zagreb in Kroatien und Madrid in Spanien.
Dazu gibt es eine Partnerschaft mit der St. Joseph’s Indian School in Chamberlain in South Dakota in den USA, einer von Herz-Jesu-Priestern geleiteten Schule für Indianer.

Dass die Kontakte ins Ausland für das Leoninum sehr wichtig sind, zeigt auch die Teilnahme am von der Europäischen Union geförderten Comeniusprojekt. Beim Comeniusprojekt arbeiten Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen europäischen Ländern gemeinsam an einem Projekt. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei nicht nur andere Kulturen kennen, sie müssen sich in Fremdsprachen verständigen, sie sehen auch, dass man gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann.

Schauen wir mit Lisa, Peter und den Hoffmanns noch ein wenig in die Zukunft. Was kommt auf die beiden bis zum hoffentlich krönenden Abschluss – dem Abitur – noch zu?

In den Jahrgängen 10 und 11 werden die beiden zwei Praktika absolvieren. Einer der Bausteine zur Berufsvorbereitung ist für das Leoninum das zweiwöchige Betriebspraktikum. Dazu kommt – und das ist etwas Besonderes in Handrup – das Sozialpraktikum. Die Schülerinnen und Schüler sollen Erfahrungen in Altenheimen, in beschützenden Werkstätten oder auch in Krankenhäusern machen.


Am Ende des 10. Jahrgangs müssen sich die Schüler für ein bestimmtes Profil entschieden haben, das heißt, sie müssen ihre Abiturkurse festlegen. In Handrup werden vier solcher Profile angeboten. Weil das Leoninum eine große Schule ist, gibt es hier die die Möglichkeit, auf die unterschiedlichen Fähigkeiten und Neigungen der Schüler einzugehen. Angeboten werden vier Ausbildungsgänge: ein sprachliches, ein mathematisch-naturwissenschaftliches, ein gesellschaftswissenschaftliches und ein musisches Profil.

Im Jahrgang 11 folgen die Besinnungstage. Es geht darum, dass die Schüler ein Jahr vor dem Abitur noch eine Standortbestimmung für sich selbst vornehmen können. Eine einwöchige Studienfahrt, etwa nach London oder Barcelona, steht dann noch im Jahrgang 12 auf dem Programm.

Das letzte Wort soll der Schulleiter haben. Auf die Frage, welche Veränderungen und Verbesserungen Franz-Josef Hanneken sich für die nächsten Jahre vorstellt, antwortet er:


„Unser Schulleben überrascht mich immer wieder mit seiner Vielfalt, mit seinem Ideenreichtum und auch ganz schlicht, aber zentral, mit seiner Herzlichkeit. Sicherlich wird eine wichtigeAufgabe für uns alle darin bestehen, diesen Geist auch durch die kommenden strukturellen Veränderungen hindurch zu stärken. Eine erste Antwort auf die Neuerungen, die ja auch zunehmend öffentlich unter den Stichworten ‚Belastung durch Unterrichtsverdichtung’ (G8) oder ‚Verlust der Kindheit’ diskutiert werden, kann das Doppelstundenmodell sein. Davon erhoffe ich mir nicht nur eine spürbare Entlastung unserer Schülerinnen und Schüler, sondern auch eine weitere Entwicklung eben dieses besonderen Geistes. Eine ‚Schule mit Herz’ bleiben wir, wenn es uns gelingt, dieses Besondere nicht allein vom messbaren Erfolg her zu definieren. In unserem Schulleben, aber auch in der Geschichte eines jeden uns anvertrauten Schülers soll deutlich werden, dass eben nicht nur das Zählbare zählt, sondern vor allem das Erzählbare. Lernen braucht Muße, das ist meine feste Überzeugung.


An dieses alte Wort zu erinnern ist – nach den Jahren der Anpassung von Schule an die Sachzwänge einer immer komplexeren Welt und mitten im Prozess zunehmender Standardisierung von Bildung – kein Rückschritt und auch kein Rückzug, sondern dringende Aufgabe moderner Pädagogik. Hier die nötigen Freiräume zu erhalten oder zu schaffen, dem Druck zum Gedrängten nicht nachzugeben, wird in Zukunft etliche Überlegung an den verschiedenen Orten unseres Schullebens erfordern, von der Gestaltung des Unterrichts über dessen Vernetzung bis zu größeren Projekten. Und vielleicht wird auch einmal wieder verwirklicht werden können, was im Anschluss an die großen Fahrten nach Santiago und Rom als Wunsch formuliert wurde, dass nämlich jeder Schüler und jede Schülerin einmal Gelegenheit zu diesem besonderen Erlebnis hat: der Schulgemeinschaft auf dem Weg.“