Die Auswirkungen von Glasnost und Perestroika auf die Russlanddeutschen

Im Rahmen des Erasmus+-Projekts im Rahmen des Seminarfachs „Migration in Europa“ veröffentliche Materialien.

Definitionen:

Glasnost

Glasnost bedeutet Offenheit. Gemeint war damit eine Offenheit der Staatsführung gegenüber der Bevölkerung. Glasnost sorgte für Pressefreiheit und ein Ende der Zensur. Die Zeitungen durften erstmals wieder unzensiert ihre Berichte veröffentlichen. Glasnost bedeutet auch Rede- und Meinungsfreiheit für das Volk, für alle. Erstmals erfuhr die Öffentlichkeit von der wahren, katastrophalen wirtschaftlichen Lage des Landes. Inhaftierte Regimekritiker wurden freigelassen. Die Unterdrückung der Kirchen wurde beendet, Demonstrationen wurden erlaubt.

Perestroika

Perestroika bedeutet übersetzt Umbau oder Umgestaltung. Das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche System wurde umgebaut. Die Sowjetunion sollte ein demokratischer Staat werden. Sie sollte aus ihren festgefahrenen Strukturen gelöst werden, um so schließlich auch die Wirtschaft des Landes wieder nach vorne zu bringen. Als erstes wurde die Planwirtschaft gelockert, indem Betrieben mehr Mitbestimmung eingeräumt wurde. Im Januar 1987 wurde ein umfassendes Perestroika-Programm verkündet.

Perestroika, Glasnost und die Russlanddeutschen

Perestroika und Glasnost, die mit der Wahl Michail Gorbatschows zum Generalsekretär der KPdSU und Ministerpräsidenten der UdSSR 1985 eingeleitete Politik, brachten den Russlanddeutschen positive Veränderungen.
Für seine Bestrebungen, das gesellschaftliche Leben in der UdSSR zu demokratisieren und die Wirtschaftskraft zu erhöhen, suchte er Akzeptanz und Unterstützung der eigenen Bevölkerung und der westlichen Welt.
Den Russlanddeutschen wurden Zugeständnisse gemacht. Im Zuge innenpolitischer Veränderungen konnten nun auch bisherige Tabuthemen aus der Geschichte der Russlanddeutschen wie Deportation, Arbeitslager oder Autonomiebewegung öffentlich diskutiert werden.
Russlanddeutschen entfalteten rege Aktivitäten in allen Bereichen des kulturellen Lebens, wobei sie die Probleme des Schulwesens (Mangel an Lehrbüchern und Arbeitsmaterialien, ausgebildeten Lehrkräften für den Deutschunterricht) aber nicht überwinden konnten.
Die Entspannungspolitik Gorbatschows machte schließlich die Übersiedlung vieler Russlanddeutscher in die BRD erst möglich.
1986 wurden die Ausreisebestimmungen liberalisiert und ein ganzes Paket von Maßnahmen für die Russlanddeutschen 1986 beschlossen.
Einige Vertreter der Russlanddeutschen griffen die Autonomiebestrebungen wieder auf, wobei sie die frühere Wolgarepublik vor Augen hatten. Auch dieses Thema konnte nun öffentlich diskutiert werden.
Im Zuge der dabei in Gang gekommenen Diskussion wurde im März 1989 die Gesellschaft „Wiedergeburt“ gegründet.
Das Scheitern der Perestroika und der Zerfall der UdSSR Ende 1991 bedeuteten auch das Scheitern der Autonomiebewegung. Lediglich zwei deutsche Landkreise (Rayons) wurden gebildet: Halbstadt und Asowo. Diese Entwicklung ließ die Zahl der Aussiedler erneut in die Höhe schnellen.

S.: http://www.russlanddeutschegeschichte.de/geschichte/teil4/glasnost.htm

Abtrittsrede Gorbatschows

„Auf dem Weg demokratischer Umgestaltungen wurde ein Durchbruch erzielt. Freie Wahlen, Pressefreiheit, Religionsfreiheit, demokratische Institutionen und Mehrparteiensystem wurden Wirklichkeit. Menschenrechte wurden als das oberste Prinzip anerkannt. Die Bewegung zu einer Wirtschaft mit verschiedenen Eigentumsformen und deren Verbreitung setzten ein. Das Wettrüsten und die wahnwitzige Militarisierung unseres Landes, die unsere Wirtschaft, das gesellschaftliche Bewusstsein und die Moral verunstaltet hatten, wurden zum Stehen gebracht.“ 

S.: https://www.deutschlandfunk.de/wir-brauchen-eben-eine-umgestaltung.724.de.html?dram:article_id=100446

Aufgabe 1: Fassen Sie die wesentlichen Aussagen des Textes zusammen.

Aufgabe 2: Arbeiten Sie die Folgen für die Russlanddeutschen heraus.

Aufgabe 3: Nehmen Sie Stellung zur geschichtlichen Bedeutung des Umbruches in der         Sowjetunion für die Russlanddeutschen.

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