Griechenlandfahrt 2011


Grundstein Kloster Handrup von 1921

Wer die Treppe zum Haupteingang des Klosters betritt, erblickt im mächtigen Mauerwerk einen Stein mit der Jahreszahl 1921. In jenem Jahr wurde der Grundstein für das Herz-Jesu-Kloster in Handrup gelegt — und 90 Jahre später machen wir uns auf den Weg zu jenem Grundstein des christlichen Abendlandes, den Paulus in Griechenland legte: mit dem Zentrum der Evangelisierung in Korinth oder mit seiner Rede auf dem Areopag in Athen. Dort setzte er sich mit der griechischen Philosophie auseinander, mit dem anderen Ursprung unseres europäischen Denkens also. Und diese Auseinandersetzung hat durch Zeit und Geschichte hindurch nichts an Aktualität eingebüßt.

So begibt sich unsere Schulgemeinschaft nach den Unternehmungen „per pedes apostolorum” in den Jahren 2000 und 2005 wieder auf eine große Fahrt — dieses Mal „auf den Spuren des Apostels Paulus”. Wenn man die Traditionslinie dieser Fahrt in der Geschichte unserer Schule betonen will, kann man sagen: „von Petrus zu Paulus”. Mit diesen beiden Namen des spannungsvollen Anfangs ist der große Schritt zur Weltkirche mitgesagt. Das Christentum entfaltet seine missionarische Kraft über Kleinasien hinaus und gelangt nach Afrika und nach Europa. Jeder neu gelegte Grundstein einer christlichen Gemeinde wird zum Brückenkopf für weitere Ausbreitung.

Als die Dehonianer 1921 in Handrup mit dem Bau des Klosters begannen, nannten sie es „Missionshaus”. Der Name entspricht immer noch unserem erzieherischen Auftrag, der darin besteht, jungen Menschen beides zu vermitteln: die Geborgenheit eines sicheren Hauses mit seinen „Gewohnheiten” und die Sendung in die Welt hinein, ausgestattet mit dem notwendigen Rüstzeug für die Wege dieser Welt. Die Geschichte unserer Schule zeigt, wie aus dem Grundstein für die Heranbildung junger Menschen der Ausgangspunkt für so viele Wege in die Welt hinein wurde.

Als junger Mann bereiste Leo Dehon auch Griechenland. Patras, den Ort, in dessen Nähe wir wohnen werden, besuchte er ebenfalls — und es finden sich Einträge in seinem Reisetagebuch über die Andreas-Tradition dort; ist Patras doch der Überlieferung nach der Ort, an dem der Apostel Andreas den Märtyrertod erlitten haben soll. Doch nicht allein die christliche Tradition interessierte die Bildungsreisenden. Das antike Griechenland wird in der Zeit der Klassik zum Inbegriff des Humanitätsideals. „Das Land der Griechen mit der Seele suchend“, so lässt Goethe Iphigenie in der Fremde sagen, fern der Heimat. Der berühmte Satz wird zur Überschrift für eine gedankliche und gestalterische Auseinandersetzung mit der Antike, mit einem Griechenland, das nicht ohne Grund als Wiege unserer Kultur gilt.

Am Anfang der Philosophie, wie sie Sokrates so folgenreich verkörperte, steht ein bedeutungsvoller Satz aus Delphi, dem Ort des berühmten Orakels, das ebenfalls nicht weit ist: Gnothi seauton — erkenne dich selbst. Die griechische Philosophie hat Erstaunliches geleistet im Nachdenken über den Menschen. Paulus und nach ihm viele christliche Denker greifen diese Philosophie auf, um in Fortdenken und Widerspruch das noch Erstaunlichere zu bedenken. Das lässt sich nachlesen. Erleben aber lassen sich die Orte und Wege, die Sokrates und Paulus gesehen haben; erleben lässt sich vor allem die Landschaft, die all das birgt und deren Licht der große griechische Autor Nikos Kazantzakis beschreibt: „Das Licht in Griechenland ist voller Geist; solches Licht half dem Menschen, klar zu sehen, Ordnung in das Chaos zu bringen, es zum Kosmos zu gestalten. Und Kosmos, Welt, heißt Harmonie …” — Wir werden sehen.

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