Rosen, Tulpen und Narzissen

Viel Beifall für musikalische und literarische Darbietungen am 24. Mai 2011

Wenn zum Schluss das Publikum sich von den Sitzen erhebt und den Applaus nicht enden lassen will, wenn das Publikum dann bei der Zugabe mit Begeisterung das hohe Lied auf die Freundschaft mitsingt, dann wird man von einer rundum gelungenen Veranstaltung reden dürfen. In den Genuss einer solchen kamen all jene, die der Einladung in die Aula des Gymnasiums Leoninum in Handrup gefolgt waren und dort unter dem Motto „Rosen, Tulpen und Narzissen“ einen Strauß aus Liedern und Texten aus den Handruper Gründerjahren, mithin aus den „Goldenen Zwanzigern“, überreicht bekamen.


Perfekte Unterhaltung auf hohem Niveau bot das „Handruper Gesangssextett“, das zu einem musikalisch-literarischen Abend geladen hatte.


Musikalische Glanzlichter setzte dabei das „Handruper Gesangssextett“ unter Leitung von Benno Hüer, das mit insgesamt einem Dutzend berühmter Klassiker das Publikum zum Mitklatschen animierte und mit humoristischen Einlagen ein ums andere Mal zum Lachen brachte. „Der kleine grüne Kaktus“ durfte dabei natürlich ebenso wenig fehlen wie die „Schöne Isabella von Kastilien“, die Frage nach dem Verbleib des Haupthaares des „lieben Augustin“ wurde gestellt und die Vorzüge eines Hühnerlebens besungen. Aber auch melancholische Stimmungen wusste das Sextett, dem neben Benno Hüer auch Franz-Josef Hanneken, Pater Olav Hamelijck, Antonius Kuiter, Johannes Leifeld und Manfred Heuer angehören, perfekt in Gesang umzuwandeln, so beispielsweise im Abschlusslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“.

Das zweistündige Programm bot aber noch weit mehr als grandios interpretiertes Liedgut. Die Ankündigung eines „musikalisch-literarischen Abends“ wurde vollends wahr gemacht. Franz-Josef Hanneken, als Sänger und Moderator aktiv, führte mit hintersinnigem Wortwitz und viel Charme durch das Programm und vermochte es dabei in beeindruckender Weise, Brücken zwischen den Liedern und den vorgetragenen Texten zu schlagen. Dieter Vinke, Peter Rose, Dr. Thomas Kock und Matthias Menzel-Volkmann zogen mit ihren Vorträgen das Publikum in den Bann. Sie jagten zum Beispiel ihren Zuhören mit der Schilderung der zustände im Operationssaal – vor Erfindung der Anästhesie wohlgemerkt – ein wohliges Schaudern über den Rücken, trieben ihnen mit „Schissomirs großer Tag“ von Siegfried Lenz vor Lachen die Tränen in die Augen, ließen den „Rhythmus von New York“ spürbar werden oder erzeugten betroffene Stille mit Tucholkys Gedicht „Mutterns Hände“.

„Die zwanziger Jahre“, so erklärte Franz-Josef Hanneken eingangs, „spielten im wahrsten Sinne des Wortes in den großen Städten“, vornehmlich Berlin. Und vermutlich galten in Handrup damals tatsächlich jene Verse aus Theodor Storms Gedicht „Abseits“: „Kein Klang der aufgeregten Zeit drang noch in diese Einsamkeit.“ Neunzig Jahre später gibt Berlin jährlich 365 Millionen für Kulturpolitik aus – ein „Handruper Gesangssextett“ gibt es dafür allerdings nicht.

Hermann-J. Rave

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