Stephan Kulle im “Handruper Forum”

Kirchenkritiker mutierten zu Wendehälsen
Fernsehjournalist Stephan Kulle zu Gast in Handrup – Besuch im Unterricht

Zum Referenten:
Stephan Kulle
ZDF Fernsehmoderator und Buchautor

„Warum wir wieder glauben wollen“, genau wie der Titel seines jüngsten Buches lautete auch das Thema des Vortrags, den der Fernsehjournalist Stephan Kulle im Rahmen des Handruper Forums in der Aula des Gymnasiums Leoninum hielt. Offenkundig trifft Kulle mit seinen Aussagen einen bestimmten Nerv, denn auch in Handrup hatten sich zahlreiche Interessierte zum Leseabend mit dem prominenten Fernsehmann eingefunden.


Zum 22. Handruper Forum am Gymnasium Leoninum begrüßten Schulleiter Franz-Josef Hanneken (links) und sein Stellvertreter Paul Wöste (rechts), der seit 14 Jahren für die inhaltliche Konzeption verantwortlich zeichnet, den Fernsehjournalisten Stephan Kulle.



In den Publikationen Kulles, so Schulleiter Franz-Josef Hanneken in seiner Einführung, werde erkennbar, dass „Biographie bei ihm im doppelten Sinne zu lesen“ sei, nämlich „Zeugnis vom Leben, aber auch als lebendiges Zeugnis“.

Dieser Einschätzung entsprach dann auch ein Großteil des gut zweistündigen Vortrags, in dem Kulle abwechselnd Abschnitte aus seinem jüngsten Buch vorlas und diese mit persönlichen Gedanken anreicherte. So gab er dann auch weniger eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, warum wir, die Deutschen, denn nun „wieder glauben wollen“. Ausgehend vom individuellen Schicksal des sterbenden Freundes, der als überzeugter Atheist im Rückblick auf sein Leben „Gott auf einmal als Leerstelle“ erfahren habe schlug Kulle den Bogen zur gesellschaftlichen Situation. Seit 2005, mit dem Tod von Papst Johannes Paul II. und der Wahl von Papst Benedikt XVI., vollziehe sich ein Wandel in der Gesellschaft, erklärte er. Der Ton in den Medien sei „sanfter“ geworden, einstige Kirchenkritiker hätten sich als „Wendehälse“ offenbart, Konfessionsschulen könnten sich – „erstaunlicherweise auch im Osten Deutschlands“ – vor Bewerbern nicht retten, die Kircheneintrittszahlen stiegen wieder an, zählte Kulle unter anderem auf.

Gleichwohl könne man nicht behaupten, dass die Kirchlichkeit der Menschen im selben Maße gestiegen sei wie ihr (neu erwachtes) Interesse an Religion. Kulle plädierte gar für eine Trennung zwischen Kirche, Theologie und persönlichem Glauben, um diesen unter Umständen nicht zu gefährden. „Der Glaube geht zunächst nur mich und den lieben Gott etwas an“, erklärte er. „Es ist für den persönlichen Glauben wurscht“, so Kulle wörtlich, „ob sich Theologen über einige theologische Fragen streiten und sich dann einigen.“

Die Grundbefindlichkeit des Menschen zeige sich laut Kulle in dem Begriff „Sehnsucht“, einem Verlangen nach Geborgenheit, Zuwendung, Angenommensein, Liebe. Es sei vor allem die Schönheit des vergänglichen Augenblicks, die diese Sehnsucht im Menschen wecke, erklärte er. Der Mensch such etwas, dass im Verlässlichkeit gewähre. Jedoch gebe es Erfahrungen persönlichen Leids, Schicksalsschläge, die die Sinnfrage, die Frage nach dem Warum, nach einem gütigen und gerechten Gott umso deutlicher aufkommen ließen. Kulle räumte ein, dass er die Antwort nicht kenne, fügte aber gleich hinzu, dass „diese Fragerei auch nichts bringt.“ Es gehe vielmehr darum, „mit der Situation umzugehen“. Hier appellierte an die Mitglieder kirchlicher Gemeinden, den Mitmenschen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Inwieweit ihm der Glaube nach seinem Unfall mit der daraus resultierenden, mittlerweile aber überwundenen Querschnittslähmung geholfen habe, vermochte Kulle nicht zu sagen. „Große spirituelle Momente gab es damals nicht“, gab er unumwunden zu. Es sei aber ungemein tröstlich, hilfreich und bestärkend gewesen, zu wissen, dass andere Menschen „damals für den Stephan beteten.“

Einen Blick hinter die Mauern des Vatikan gewährte der Fernsehjournalist am folgenden Tag den Schülerinnen und Schülern der Klasse 6d und stellte sich den Fragen der Sechstklässler, die sie im Religionsunterricht gemeinsam mit ihrem Religionslehrer Paul Wöste vorbereitet hatten. Stephan Kulle blieb keine Antwort schuldig, sondern gab detailliert Auskunft über den Ablauf eines typischen Arbeitstages von Papst Benedikt XVI. und über persönliche Vorlieben des Kirchenoberhauptes, bevor er bereitwillig Autogrammwünsche erfüllte.

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