Markus Gerstmann im “Handruper Forum”

„Die ganze Welt liest mit — SchülerVZ — StudiVZ — Schulradar

Zum Referenten:
Markus Gerstmann
Medienpädagoge vom „Service Bureau Jugendinformation“ in Bremen

Über Licht- und Schattenseiten bei der Nutzung des Internets informierte der Medienpädagoge Markus Gerstmann vom Bremer ServiceBureau Jugendinformation in der Aula des Gymnasiums Leoninum. Im Rahmen des Handruper Forums sprach er abends vornehmlich zu einem erwachsenen Publikum, bevor er am nächsten Morgen das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern suchte.


Schulleiter Franz-Josef Hanneken und die Elternratsvorsitzende Gabriele Joachimmeyer verwiesen in ihren einführenden Beiträgen auf die mit dem Internet über die Nutzer hereinbrechende Datenflut. Während Hanneken „die Allgegenwart des Internets“ herausstellte und die Überlegung aussprach, ob damit wohl die Idee eines Buches, „in dem alles verzeichnet wird, Wirklichkeit geworden ist“, stimmte Joachimmeyer die freiwillige Preisgabe dieser persönlichen Daten nachdenklich. Diese Aspekte griff Markus Gerstmann auf, nachdem er die Internet-Community SchuelerVZ in Grundzügen vorgestellt hatte. Fast 4,5 Millionen Mitglieder habe diese mittlerweile, 18 Millionen Bilder seien dort bereits gespeichert und 700 000 würden allein jeden Tag hochgeladen. „Das Internet vergisst nie“, warnte Gerstmann vor einem allzu leichtfertigen Umgang mit persönlichen Daten. Grundsätzlich sei „gegen Communities wie StudiVZ und SchuelerVZ nichts einzuwenden“, handele es sich dabei doch auch um „soziale Netzwerke, die funktionieren“. Auch für die Arbeitswelt seien sie mittlerweile von Bedeutung. Schließlich recherchierten 30 Prozent der Arbeitgeber im Internet, um Informationen über potentielle Angestellte zu gewinnen. Sei ein eigenes durchdachtes Profil im Hinblick auf die Bewerbung bei einer Computerfirma von Vorteil, so könne ein leichtfertig zusammengestelltes Portrait jedoch auch kontraproduktiv sein. Anschaulich verwies Gerstmann auf das Beipiel einer Studentin, die ihr persönliches Profil bei StudiVZ mit einem Foto versehen hatte, das sie mit einer zum Trinken angesetzten Flasche Whisky zeigte. „Für die Betriebsfeier würde ich sie einstellen, für die Arbeit bei uns wäre sie aber wohl denkbar ungeeignet“, befand der Jugendschützer, der in diesem Zusammenhang auch auf die rasendschnelle Verbreitung von Daten hinwies und am Beispiel eines Videoclips von einem missglückten Auftritt bei „Deutschland sucht den Superstar“ verdeutlichte. „Am Mittwochabend gesendet, waren am nächsten Tag schon 1000 Clips im Netz, am Freitag sogar 14 000.“ Folglich müsse jeder Nutzer erst einmal genau überlegen, welche privaten Informationen man preisgeben wolle, erklärte Gerstmann. Intime Fotos gehörten einfach nicht ins Internet, stellte er klar. Niemand würde auf die Idee kommen, ein Album mit derartigen Bildern „dem Bäcker oder dem Nachbarn“ ungefragt vorzulegen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet, zu dem auch die absolute Geheimhaltung von persönlichen Passwörtern gehöre, sei umso wichtiger, da das Internet dazu missbraucht werden könne, andere zu mobben und herabzuwürdigen. Gerstmann nannte gefälschte Profile, Hass-Gruppen, systematische Angriffe auf Lehrer in Communities. „So etwas geht natürlich überhaupt nicht“, unterstrich er und forderte ein hartes Durchgreifen auch unter Einschaltung der Polizei.

Zwar sollten Kinder unter 12 Jahren noch keinen PC in ihrem Zimmer haben, ein generelles Internetverbot für Kinder und Jugendliche sei aber abwegig. Vielmehr, so Gerstmann, komme es darauf an, die Medienkompetenz der jungen Menschen zu steigern. Dazu müssten Eltern aber ihre Kinder auch im Blick haben. „Lassen Sie sich zeigen, was Ihre Kinder im Internet so machen, lassen Sie sich ein auf ihre Lebenswelt“, appellierte er an die Erwachsenen.

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