Andreas Englisch im “Handruper Forum”

„Ich möchte, dass Ihr mich nicht vergesst!“
Journalist erinnerte an einen zutiefst menschlichen Papst

Zum Referenten:
Andreas Englisch, Journalist und Buchautor, Rom.

Den 14. Februar 2005 wird der Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch nie mehr vergessen. An diesem Tag bekam er einen Anruf aus dem Vatikan: Johannes Paul II. wolle ihn sehen und zwar sofort.


Aus dem Jahr 1584 stammt diese Bibel der Handruper Klosterbibliothek, in der der Journalist Andreas Englisch blätterte. Von links Pater Rektor Konrad Flatau, Schulleiter Pater Dr. Heiner Wilmer, Firmenkundendirektor Otto Klüver (Sparkasse Emsland), Andreas Englisch, Sparkassendirektor Ingo Hinrichs und der stellvertretende Schulleiter Paul Wöste.



Dem deutschen Journalisten schossen tausend Gedanken durch den Kopf. „Ich muss etwas ganz Schlimmes geschrieben und den Zorn des Papstes auf mich gezogen haben“, zermarterte sich Englisch den Kopf. Als der Korrespondent wenig später tatsächlich den Heiligen Vater traf, sah er den alten kranken Mann über ein selbstgemaltes Bild gebeugt, das der Sohn von Englisch dem Papst geschenkt hatte. Das Kind wollte dem Papst, der kurz zuvor in der Klinik behandelt worden war, auf diese Weise Genesungswünsche übermitteln.

Vor 650 Gästen des Handruper Forums zitterte Englischs Stimme, als er diesen Augenblick wieder vor Augen hatte. „Der Papst signierte das Bild und sagte: ‘Ich möchte, dass Ihr mich nicht vergesst.’“

Wahrhaft große Männer lassen sich nach den Worten von Englisch vielleicht daran erkennen, dass sie die Kleinen nicht vergessen.

Auf packende Weise schilderte der 43-Jährige in seinem Vortrag „Habemus Papam – Von Johannes Paul II. zu Benedikt XVI.“ das Leben im Vatikan. Es sei ein Zerrbild zu glauben, im Kirchenstaat herrschten mächtige Päpste mit Gefolge in prunkvollen Gemächern. In Wirklichkeit lebten hier Menschen, die bewusst auf Luxus verzichteten und Sinn für Humor hätten.

Der Korrespondent erinnerte an den Besuch von Johannes Paul II. in einer Stadt in Kasachstan, wo nur 46 Katholiken lebten. Als der Papst dort eintraf, erwarteten ihn 400000 Menschen. Der Journalist fragte einige, warum sie gekommen seien. „Die Antwort war immer gleich: ‘Wir wollten denjenigen sehen, der die Sowjetunion in die Knie gezwungen hat.’“

Englisch glaubt, dass das waffenstarrende Imperium ohne Gottes Hilfe nicht zusammengebrochen wäre. Die Faszination von Johannes Paul II. rührt nach Englischs Überzeugung daher, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche ein Symbol für alle Menschen guten Willens war.

Auch sein Nachfolger Benedikt XVI. setze auf den interreligiösen Dialog, ohne dabei das Profil der katholischen Kirche zu verwischen. Englisch machte sich dabei die Auffassung des Papstes zu eigen, dass dieser Dialog vor allem mit dem Islam nur auf Augenhöhe möglich sei. Es sei nicht hinzunehmen, dass Christen in islamisch geprägten Ländern verfolgt würden.

Übrigens ist der Vatikan keinesfalls perfekt organisiert. „Als der neue Papst feststand, sollten sofort die Glocken des Peterdoms läuten. Das klappte aber nicht, weil der Küster das Handy ausgestellt hatte.“

Pater Dr. Heiner Wilmer, Schulleiter des Gymnasiums Leoninum, dankte dem Referenten für seinen bewegenden Vortrag und der Sparkasse Emsland für die finanzielle Förderung.

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